Authors Guild (und andere) verklagen den HathiTrust über verwaiste Werke

Das Thema des Tages ist zweifellos die Klage der Authors Guild und anderen gegen den HathiTrust bzw. die fünf an der HathiTrust Digital Library beteiligten Universitäten. Gegenstand sind dabei die Digitalisate von etwas sieben Millionen Büchern (bei einem Gesamtbestand von neun Millionen), die das Projekt von Google zur Verfügung gestellt bekam. In den Augen der Kläger wurden diese nicht autorisiert erstellt.

Ein großer Teil dieser in einem Repositorium an der University of Michigan zusammengestellten Digitalisate sollte demnächst für die Studierenden und Wissenschaftler verfügbar gemacht werden. Betroffen sind so genannte "orphans", also verwaiste Werke. Die Kläger berufen sich u.a. darauf, dass die Einordnung, was als "orphan work" gilt, im Projektrahmen definiert wurde ("according to rules the school has established"). Laut John P. Wilkin vom HathiTrust werden möglicherweise verwaiste Werke neunzig Tage online gestellt. Meldet sich in dieser Spanne kein Rechteinhaber, gelten sie für den Trust als "orphans" und werden zugänglich gemacht.

Angelo Loukakis von der ebenfalls klagenden Australian Society of Authors zeigte sich empört und sprach in etwas zugespitzter Metaphorik von "entführten Titeln" ("abducted books"). Entsprechend spricht der Urheberrechtsexperte James Grimmelmann in seiner lesenswerten Analyse des Vorgangs auch von The Orphan Wars. Er sieht laut New York Times die Klage gegen die Bibliotheken vor allem durch den Rückenwind aus dem mehr oder weniger Scheitern des Google Book Settlement motiviert.

Ob der HathiTrust nun wie geplant zum 13.Oktober die erste Tranche verwaister Titel freischaltet, ist unter diesen Bedingungen unklar.

(bk)