Offener Brief an Staatsminister: Dozenten sind besorgt um Standards des wissenschaftlichen Arbeitens

Dieser Beitrag gehört zum Dossier Plagiate .
Erstellt von Valie Djordjevic am 24.02.2011 - 16:41

Der Germanistik-Professor Robert Stockhammer und 70 seiner KollegInnen der Ludwig-Maximilian-Universität in München haben sich in einem offenen Brief, den Der Freitag online veröffentlichte, an den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Dr. Wolfgang Heubisch gewendet, da sie befürchten, dass die Bagatellisierung der nicht ausgewiesenen Zitate in Guttenbergs Dissertation* ein schlechtes Bespiel für ihre Studenten abgeben würde. Die Unterzeichner fordern den Staatsminster auf, etwas dagegen zu unternehmen:

Die Unterzeichneten möchten an der Universität weiterhin in der Lage sein, mit großer Strenge die Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht nur selbst einzuhalten, sondern sie auch unseren Studierenden zu vermitteln. Wir halten dies nicht für eine parteipolitische Aufgabe. Diese Arbeit wird aber beträchtlich erschwert, wenn der Eindruck verbreitet wird, Plagiate im Wissenschaftsbetrieb seien ganz üblich und würden nur ausnahmsweise von Linksradikalen aufgedeckt. Wir bitten daher Sie als den für uns zuständigen Staatsminister, uns in unserer Arbeit zu unterstützen, indem Sie auch öffentlich diesem Eindruck entgegentreten.

 * Ob ein Plagiat nur dann vorliegt, wenn es absichtlich gemacht würde, wie der Verteidigungsminister in der offenen Fragestunde am gestrigen Tag erklärte, ist eine Diskussion, die es noch zu führen gilt.

 

 

Kommentare

Weiterer Offener Brief

Ein weiterer offener Brief in der Causa Guttenberg, dieses Mal von den DoktorantInnen. Ihr Urteil ist entsprechend hart, schließlich sind es die ehrlichen Doktoranten, deren Arbeit gering geschätzt wird: 

„Dies ist eine Verhöhnung aller wissenschaftlichen Hilfskräfte sowie aller Doktorandinnen und Doktoranden, die auf ehrliche Art und Weise versuchen, ihren Teil zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen. Sie legt darüber hinaus nahe, dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele und dass das „akademische Ehrenwort“ im wirklichen Leben belanglos sei.“