Das EU-Memorandum zu vergriffenen Werken wurde unterzeichnet.

Bislang noch nicht ganz prominent diskutiert, aber für die Debatte um den Umgang mit verwaisten und vergriffenen Werken von einiger Bedeutung ist das gestern unterzeichnete (Bilder von der Veranstaltung bei Flickr) und veröffentlichte Memorandum of Understanding (MoU) on Key Principles on the Digitisation and Making Available of Out-of-Commerce Works (PDF).

In diesem verständigten sich unter Aufsicht des zuständigen EU-Kommissar Michael Barnier zehn internationale Interessenvertretungen von

  • Bibliotheken (Association of European Research Libraries (LIBER), Conference of European National Librarians (CENL), European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA)),
  • AutorInnen (European Federation of Journalists (EFJ), European Writers’ Council (EWC))
  • KünstlerInnen (European Visual Artists (EVA)),
  • Verlagen (European Publishers Council (EPC), Federation of European Publishers (FEP), International Association of Scientific, Technical & Medical Publishers (STM)) und
  • Verwertungsgesellschaften (International Federation of Reprographic Rights Organisations (IFRRO)) auf gemeinsame Richtlinien im Umgang mit kommerziell nicht mehr genutzten Werken

über den Umgang mit vergriffenen Werken hinsichtlich einer Digitalisierung und öffentlichen Zugänglichmachung. Dies wird in Punkt 4 des MoU als gemeinsames Interesse vermerkt:

"Considering that the large-scale digitisation and making available of Europe's cultural heritage contained in the collections of publicly accessible cultural institutions is in the public interest as well as in the interest of the cultural and creative sector."

Die Vereinbarung gilt ausschließlich für Printpublikationen (Punkt 1 des MoU), schließt aber zusätzlich die in diesen enthaltenden Abbildungen mit ein (Punkt 6 des MoU). Sie soll eine europaweite Grundlage für die Organisierung der Lizenzierunen für Massendigitalisierungen in Digitalen Bibliotheken bilden.

Weitere erläuternde Informationen finden sich in den FAQs zur Vereinbarung: Memorandum of Understanding (MoU) on Key Principles on the Digitisation and Making Available of Out-of-Commerce Works – Frequently Asked Questions

(red.)

Kommentare

Erste Stimmen zum MoU.

Im 1709-Blog gibt es einen lesenswerten, kritischen Kommentar zum Memorandum und seinen Auswirkungen für die Digitalisierung von Bibliotheks- und Archivbeständen:

"However, whilst an agreement of this kind is clearly satisfactory to rights holders, it remains to be seen whether libraries and other cultural institutions will truly benefit. The optimism of Olav Stokkmo (CEO of the International Federation of Reproduction Rights Organisations) that this MoU will solve the problem of orphan works is misplaced; large numbers of orphan works that reside in libraries and archives were never 'in commerce' (they are often unpublished, such as letters, diaries and manuscripts) and as such one wonders whether the scope of the MoU would extend to them."

In der Tat scheint es mehr als zweifelhaft, ob sich dieses im Vergleich zum Problem der verwaisten (und audio-visuellen) Werke eher leicht zu behandelnde Feld vergriffener Druckwerke sich tatsächlich als Vorlage ("template") für die Lösung des Gesamtproblems anbietet. Angela Wade vom European Publishers Council (EPC) konnte entsprechend den Optimismus Stokkmos besonders hinsichtlich der AV-Inhalte nicht teilen. Dieser sieht das Problem der verwaisten Werke dahingehend gelöst, dass er selbige - vermutlich nur die Printpublikationen - in die Obhut der Verwertungsgesellschaften übergehen sieht, wie Intellectual Property Watch zitiert:

"The MoU will solve the problem of “orphan” works – those whose rights holders are unknown or untraceable – because it will allow such content to be included in collective licences, Stokkmo said."

Mehr im 1709-Blog: How do you solve a problem like Orphan Works?