Sachverständige der Internet-Enquete Jeanette Hofmann im Interview
Die Plattform politik-digital.de beendet die Interviewreihe mit Mitgliedern der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" am 18.08.2011 mit einem Gespräch mit der von den Grünen berufenen Sachverständigen Jeanette Hofmann.
Jeanette Hofmann spricht mit politik-digital.de-Redakteur Charlie Rutz u.a. über das in Aufbau befindliche, von Google finanzierte "Institut für Internet und Gesellschaft" und die Arbeit in der Enquete-Kommission. Dabei kamen sie auch auf urheberrechtliche Aspekte zu sprechen. Auf die Frage "Welche netzpolitischen Themen liegen Ihnen persönlich am Herzen?" antwortete Hofmann wie folgt:
"Das Thema Urheberrecht und der freie Zugang zu wissenschaftlichen Werken sind mir persönlich besonders wichtig. Ich würde sagen, dass die Regulierung von Wissen heute immer stärker ein Bestandteil von Internet Governance wird. Doch selbst für Urheberrechtsexperten ist dieses Handlungsfeld sehr kompliziert und schwer durchschaubar. Zu den einzelnen Bestimmungen kommen ja auch immer wieder neue Gerichtsurteile hinzu. Es findet also eine ständige Bewegung auf diesem Gebiet statt – insbesondere bei der Auslegung von Gesetzen. Ich interessiere mich besonders für die im wissenschaftlichen Bereich extrem wichtige Frage der Zweitverwertung von Veröffentlichungen und – verbunden mit Internet und Digitalisierung – für das Problem der verwaisten Werke, deren Urheber unbekannt sind. Es gibt ein großes öffentliches Interesse daran, die Bücher, die nur noch in Bibliotheken zu finden sind, digital zugänglich zu machen. Das wäre eine immense Bereicherung für Wissenschaft und Gesellschaft. Dafür gibt es auch kostengünstige Möglichkeiten. Dem steht jedoch das aktuelle Urheberrecht im Wege. Hält man sich vor Augen, dass ein Buch zumeist nicht nur einen Urheber kennt, sondern viele (z. B. für Bilder oder unter Umständen auch den Schrifttyp), ist es extrem teuer und aufwendig, die jeweiligen Urheberrechte zu klären. Diese Fragen werden derzeit im Zuge der Urheberrechtsreform im Rahmen des sogenannten Dritten Korbs verhandelt"
Sie spricht somit derzeitige politische Kernforderungen von VertreterInnen aus Wissenschaft und Bildung an: Zweitverwertungsrecht und verwaiste Werke, zu welchen aktuell mit dem Dritten Korb auch neue gesetzliche Regelungen zu erwarten sind.
Zuvor waren in der Interviewreihe auch die folgenden Enquete-Mitglieder zu Wort gekommen:
- Lars Klingbeil (MdB SPD): Netzneutralität muss gesetzlich verankert werden! (30.06.2011)
- Konstantin von Notz (MdB B'90/Die GRÜNEN): In der Demokratie geht es immer um das Machbare! (12.07.2011)
- Jimmy Schulz (MdB FDP): Adhocracy ist eine kleine Revolution (22.07.2011)
- Peter Tauber (MdB CDU): Netzsperren widersprechen dem Wesensmerkmal des Internet (26.07.2011)
- Halina Wawzyniak (MdB DIE LINKE): Internetfähiger PC gehört zum Existenzminimum! (04.08.2011)
Alle Interviews im Überblick hier.
(mv)
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