G8 soll freie Spuren auf den Highways der Informationsgesellschaft einrichten
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Pressemitteilung 07/07
vom 4. Juni 2007
G8 soll freie Spuren auf den Highways der Informationsgesellschaft einrichten
Zusammenfassung
Umgang mit Wissen und Information ist ein wichtiges Thema des G8-Gipfels in Heiligendamm, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Allerdings sind Innovationen in der Wirtschaft langfristig nur möglich, wenn Bildung und Wissenschaft als Produzenten neuer Ideen ein freizügiger Zugriff auf publiziertes Wissen möglich gemacht wird. Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" möchte die Teilnehmer am G8-Gipfel darauf aufmerksam machen, dass nicht nur die Interessen der Verwerter z.B. gegen illegale Nutzung (Produktpiraterie) zu schützen sind und auch nicht nur die Interessen der Kreativen (Künstler) an gerechter Vergütung für ihre Werke, sondern auch die öffentlichen Interessen der Wissenschaftler, die ja gleichermaßen Produzenten und Nutzer sind. Vor allem für das mit öffentlichen Mitteln produzierte Wissen müssen die Intellectual Property Rights die freie Nutzung für jedermann sicher stellen. Der volkswirtschaftliche Nutzen des freien Umgangs mit Wissen und Information in der und für die Wissenschaft ist offensichtlich.
Ausführung
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" begrüßt es, dass auf den bevorstehenden Verhandlungen des G8-Gipfels auch die Fragen des Umgangs mit Wissen und Information, sprich die Regelungen der Rechte an intellektuellen immateriellen Werken, behandelt werden sollen.
So verständlich es sein mag, dass Themen der Produktpiraterie und vielleicht auch des Schutzes der Urheber selber im Vordergrund der G8-Verhandlungen stehen werden, so nachdrücklich möchte das Aktionsbündnis darauf hinweisen, dass eines der Ziel der deutschen G8-Präsidentschaft, nämlich ,,Innovationen fördern - Innovationen schützen", nur dann erreicht werden kann, wenn der Wissenschaft die Möglichkeit gegeben wird, durch freien Zugriff auf das publizierte Wissen neue Ideen, neues Wissen zu schaffen.
,,Vor allem der Zugriff auf das mit öffentlichen Mitteln erstellte Wissen", so Prof. Kuhlen, Sprecher des Aktionsbündnisses, ,,muss für jedermann frei möglich sein, und dem müssen die staatlichen und überstaatlichen Regulierungen Rechnung tragen." Es ist offensichtlich, darauf hat auch die EU-Kommission jüngst hingewiesen, dass der volkswirtschaftliche Nutzen umso größer ist, je freizügiger der Zugriff auf Wissen gestaltet werden kann.
Das Aktionsbündnis fordert die Teilnehmer am G8-Gipfel auf, restriktive Nutzungsbedingungen und technische Schutzmaßnahmen, die für kommerzielle Produkte aus dem Unterhaltungsbereich vielleicht notwendig sind, nicht auf die Bereiche von Bildung und Wissenschaft zu übertragen. Die weltweiten Vorgaben für Urheberrechtsregelungen, z.B. durch die WIPO im UN-System oder durch TRIPS der Welthandelsorganisation, dürfen sich nicht alleine auf Schutz und kommerzielle Verwertung beziehen, sondern müssen auch dem Entwicklungsgedanken Rechnung tragen.
Die Förderung von Entwicklung durch freizügigen Zugriff auf Wissen hat sicherlich eine größere Dimension, auch im Nord-Süd-Gefälle - sie ist aber auch für Bildung und Wissenschaft unverzichtbar und wird vom Aktionsbündnis als öffentliche Aufgabe angesehen, die nicht alleine dem Markt überlassen bleiben kann.
Der G8-Gipfel hat die große Chance, die ,,Highways in die Informationsgesellschaft", so noch einmal Prof. Kuhlen, ,,nicht nur über die bislang ausgebauten Spuren des Schutzes und der Verknappung von Wissen im Interesse der kommerziellen Nutzung befahrbar zu machen, sondern parallel dazu die Einrichtung von sozusagen Car Pools für den freizügigen Zugang auf Wissen und Information den Staaten der Welt zu empfehlen". Vor allem Bildung und Wissenschaft müssen auf diesen Car Pools frei fahren können.
Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
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